mürren – Der Inferno-Triathlon von Thun aufs Schilthorn ist eine Wettkampfklasse für sich. Markus Stierli trat zum zehnten Mal an. 2009 hatte er als Fünfter abgeschlossen – eine Leistung, die er dieses Jahr bestätigen wollte. «Ich wusste, dass es hart wird, ich spürte den Gigathlon noch stark in den Beinen.» In der Singlewertung des Gigathlons Mitte Juli hatte der 35-jährige Kollbrunner ebenfalls Platz 5 erreicht.

Über 155,1 km und fast 6000 Höhenmeter führend, gilt der Inferno als einer der landschaftlich schönsten, aber auch härtesten Triathlonwettkämpfe der Schweiz. Am Morgen um 6.30 Uhr starteten 250 Athleten zur 3,1 Kilometer langen Seeüberquerung in Thun. Starker Wellengang machte ihnen zu schaffen. Markus Stierli kam zeitgleich mit dem späteren Sieger Marc Pschebizin, der bereits den Gigathlon gewonnen hatte, aus dem Wasser, was den 6. Zwischenrang bedeutete.

Es folgte die Rennradstrecke: 97 km und 2200 Höhenmeter, über den Beatenberg und die Grosse Scheidegg, zogen das Feld in die Länge. Markus Stierli: «Bis zur Abfahrt von der Grossen Scheidegg lief alles wie am Schnürchen, dann wollte ich zu viel und stürzte. Mit leichten Hüftschmerzen fuhr ich sofort weiter.» Trotz des Sturzes konnte er auf den 5. Platz vorrücken.

«Wenigstens das Panorama»

Die Mountainbikestrecke von 30 km und 1200 Höhenmetern brachte auch Stierli an seine Grenzen: «Das war eine Tortur. Ich bin ein Kaltwetterathlet und die Hüfte schmerzte immer stärker, wenigstens war das Panorama bei Sonnenschein herrlich.» In Stechelberg wechselten die Athleten auf die Laufstrecke. Stierli hatte beim Biken seinen Platz gehalten. Nun zeigte sich, wer die Kraft am besten eingeteilt hatte. Die Laufstrecke begann flach, nach fünf Kilometern wechselte sie abrupt zum Berglauf und führte über die letzten 20 Kilometer unbarmherzig bergauf bis aufs Schilthorn auf 2970 Meter über Meer. Stierli zehrte von seinem Zeitpolster, das er sich bis hierher erarbeitet hatte. «Ich humpelte stark und hatte zeitweise Angst, gar nicht mehr ins Ziel zu kommen.» Schliesslich lief er nach 9:58:30 Stunden als Fünfter auf dem Schilthorn im Ziel ein.

«Während des Laufens verlor ich zeitweise den Glauben an den Sport. Doch kaum war ich im Ziel, wusste ich, dass ich nächstes Jahr wieder antreten werde. Sport ist meine Sucht», sagt der 35-jährige Elektromonteur. Für solche Spitzenleistungen trainiert er 15 bis 20 Stunden pro Woche. «Zum Glück macht meine Freundin auch Ausdauersport, sonst würde ein solch intensives Engagement sicher nicht auf Verständnis stossen.» lSALOMON SCHNEIDER Landbote August 2010